„Halten Sie durch!“ – Wenn Motivation zum Streitthema zwischen Eltern und Kind wird
„Sie sehen angespannt aus! Vielleicht haben Sie genau diesen Dialog zum Thema Motivation heute schon geführt!?“ – Mit diesen Worten holte Herr Paul Mangel, Leiter der schulpsychologischen Beratungsstelle des Kreises Steinfurt, die rund 100 anwesenden Eltern direkt ab. In seinem Vortrag am Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) ging es um einen der häufigsten Konflikte im Familienalltag: den Streit um Schulmotivation. Unter dem Titel „Tu mal endlich was für die Schule!“ – „Chill mal!“ beleuchtete Mangel, warum Lernverweigerung oft eine natürliche Reaktion ist und wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können, Verantwortung für den eigenen Lernerfolg zu übernehmen.
Dabei machte er direkt zu Beginn klar, dass Lernverweigerung eine ganz natürliche Reaktion sei, da Lernen mit Anstrengung zusammenhängt. In der Lebenswelt der Kinder ist Anstrengung aber meist nicht nötig, weil gerade die digitalen Möglichkeiten immer Ablenkung und Erleichterung verschaffen. Zunehmende Misserfolge rund um das Thema Schule und Lernen verstärken die Vermeidungsstrategien, da Zuversicht und ein positives Selbstwertgefühl hier nicht mehr erreicht werden können. Es bleiben sogar das Gefühl der Bedrohung und der Verlust der Zuversicht in Lern- und Hausaufgabensituationen.
„Ihre Kinder wollen es schaffen! – Aber ohne Arbeit!“ So fasst Herr Mangel die missliche Situation zusammen. Da vieles mit mangelnder Impulskontrolle zusammenhängt, erklärt er dem Publikum, dass es im Wesentlichen um verhaltensändernde Maßnahmen gehen muss, wenn man die Kinder unterstützen möchte.
„Impulskontrolle ist heute immer weniger im Fokus, weil alles leichter wird“ Das Smartphone ist immer greifbar, jede Information kann sofort abgerufen werden – dem Impuls wird sofort nachgegeben. Das hemmt auch die Konzentration, ohne die Lernen aber nicht funktioniert. Hier wird Herr Mangel ganz deutlich „Fleiß schlägt Grips!“ Denn Konzentration kann trainiert werden – auch, indem die Impulskontrolle trainiert wird. Zur Verdeutlichung dieser Zusammenhänge lässt Herr Mangel immer wieder kleine Anekdoten aus dem Alltagsleben einfließen und nimmt die Eltern auf diese humorvolle Art mit.
„Was können Sie nun tun?“ Das ist die Frage, die das Publikum gerne beantwortet hätte. Herr Mangel erklärt, dass Elternstrategien wie „Anschieben“ nicht erfolgreich sein können, solange das Kind keine Notwendigkeit sieht, „angeschoben zu werden“. Hier gilt es, das Problem beim Kind zu lassen. Das bedeutet, dass das Kind mit den Konsequenzen seines (Nicht-)Handelns selbst leben muss. Ein konkretes Beispiel sind nicht erledigte Hausaufgaben. Das Kind muss in der Schule die Konsequenzen dafür erfahren, genauso wie schlechte Noten durch fehlende Vorbereitung. Herr Mangel betont, dass alle Konsequenzen, die nicht lebensbedrohlich oder in anderem Sinne gefährlich sind, durchaus für die Kinder zumutbar sind. Ein Gespräch über die möglichen Folgen sollte natürlich geführt werden, aber: „Retten Sie Ihre Kinder nicht!“.
In diesem Rahmen wird eine Selbstverantwortung geschaffen, die das Kind fühlen kann. Der Referent erklärt dies am Beispiel von Computerspielen: „Die Spiele meckern nicht, dennoch oder gerade deswegen erzeugen sie Motivation, denn: ich kann verlieren – also strenge ich mich an! – Also: Meckern Sie nicht mit Ihren Kindern, da Sie so nichts erreichen!“
Das Prinzip klarer Regeln -wie in jedem Computerspiel- , vielleicht auch eine Art „Bezahlsystem“, sollte in den Alltag übernommen werden. Dabei muss das gewünschte Verhalten klar kommuniziert werden und die „Bezahlung“ könnte über Spiel- und Medienzeiten laufen. Auch feste Zeiten/Zeiteinheiten zur Erledigung der Schulaufgaben sind eine Hilfe, konzentriert zu arbeiten. Nach der vereinbarten Zeit, muss mit den fehlenden Aufgaben, dem fehlenden Gelernten der nächste Schultag vom Kind gemeistert werden. Transparenz gibt den Kindern dabei die Möglichkeit, die eigene Verantwortung zu begreifen. Gleichzeitig wird durch das regelmäßige Training die Konzentration schrittweise gesteigert.
„Halten Sie durch!“ Mit dieser positiven Bestärkung macht Herr Mangel gleichzeitig deutlich, dass es bis zur Einsicht beim Kind durchaus auch eine lange Durststrecke für beide Seiten geben kann. In schwierigeren Fällen, steht immer auch die schulpsychologische Beratungsstelle zur Verfügung. Herr Mangel schließt seinen sehr kurzweiligen Vortrag mit den ermunternden Worten: „Erfreuen Sie sich an Ihren Kindern!“