„Seien Sie ein Anker!“
Ein Elternvortrag zum Thema „Körperkultur und Selbstbilder in Social Media“
Anfang Juni fand am Arnold-Janssen-Gymnasium in Neuenkirchen wieder ein Expertenvortrag für Eltern statt. Als Referentin stellte Frau Anna von Wensiersky von der Fachstelle Suchtvorbeugung der Jugend- und Drogenberatung Rheine interessante und hilfreiche Aspekte zum Thema „Körperkultur und Selbstbilder in Social Media“ für die Eltern der Jahrgangsstufen 5-Q1 vor.
Nach der Begrüßung und einem Themenüberblick wurden die anwesenden Eltern sofort aktiv in den Vortrag eingebunden. „Lassen Sie uns doch einmal sammeln, welche Körperbilder uns im Laufe der Jahrzehnte begleitet haben.“ So abgeholt, durften die Anwesenden sich dann in einer praktischen Übung mit der Realität der heutigen Jugendlichen auseinandersetzen.
Es wurden zwei Fotos präsentiert, die – wie auf Social Media – durch Filter verändert waren. Die Eltern sollten mögliche Filter markieren und die Fotos wurden dann Schicht für Schicht durch Umblättern der Folien von den Filtern befreit.
Den Anwesenden wurde so verdeutlicht, welch hoher Druck durch diese Fake-Präsentation auf die Körperwahrnehmung der Jugendlichen ausgeübt wird.
„Ihre Kinder befinden sich in den „Wechseljahren“ – so könnte man die Pubertät auch bezeichnen!“ – auf diese Weise leitete die Referentin ein, um die Entwicklungsphasen und Herausforderungen der Jugendlichen dann zu erläutern.
Es wurde schnell deutlich, dass die Unsicherheiten eine gestörte Körperwahrnehmung und daraus resultierend auch Essstörungen – wie z.B. Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Binge-Eating – begünstigen. Dabei spielen vor allen Dingen die Anerkennung durch Gleichaltrige und das Erlangen eines bestimmten Körperideals eine entscheidende Rolle.
Dieses Ideal wechselt, tendiert zurzeit aber für Jungen zu „viel Muskelmasse“, für Mädchen zu „dünn“. Auf Social Media werden solche Trends entsprechend präsentiert und man findet sie z.B. unter den Begriffen „Biggerexie“, „FitfluencerInnen“, „Body Shaming“, „Skinny Tok“. Gerade weil Social Media einen so großen Bereich im Leben der Jugendlichen einnimmt, führen diese Trends zu wieder ansteigenden Zahlen im Bereich der Esssüchte und auch der Einnahme gesundheitsschädlicher Produkte wie z.B. Proteinshakes.
„Was brauchen die Jugendlichen in dieser Phase?“ Diese Frage stand nun um Raum, um dem Publikum ein Handlungskonzept mitzugeben.
„Seien Sie ein Anker!“ Damit leitete die Referentin den nachfolgenden Teil ein. Die Jugendlichen brauchen Ansprechpartner, um Gedanken ausloten zu können. Das kann durch das gemeinsame Besuchen von Social Media oder einfach gelebtem Interesse an Inhalten passieren. Dabei sollten Eltern auch ihre eigenen Erfahrungen mit Social Media und gefilterten oder gefakten Inhalten thematisieren.
Wichtig ist gerade hier die Beziehungsarbeit, das bedeutet, dass wertfrei über Inhalte und z.B. Trends gesprochen wird, um das Vertrauen des Jugendlichen zu behalten. Dabei spielt auch das Bewerten des eigenen Körpers eine große Rolle. „Stellen Sie den Körper nicht in den Fokus, auch Ihren eigenen nicht. Und – seien Sie positiv!“
Falls Warnsignale für eine mögliche Körperschemastörung bzw. Essstörung auftreten, dann können wertfrei Beobachtungen mit dem Jugendlichen besprochen werden. Die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle ist meist niederschwellig und kann auch zunächst ohne den Betroffenen erfolgen.
Zum Abschluss konnten die Anwesenden noch Schutz- und Risikofaktoren sortieren, um das Gehörte zu festigen.
„Beachten Sie in aller Unterstützung immer auch Ihre eigenen Grenzen!“ Mit diesen Worten schloss Frau von Wensiersky den informativen Vortrag und stellte noch Info-Material und Kontaktadressen zur Verfügung. (Hilfe auch unter www.bzga-essstoerungen.de oder www.netzwerk-essstoerungen.at)








