Hampelmann und Händefalt-Übung

Gastvortrag am AJG zum Thema „Konzentration, der Schlüssel zum Erfolg“

     Die Tische und Stühle in der Aula des Arnold-Janssen-Gymnasiums (AJG) stehen noch im „Klausurmodus“, als rund 80 Besucherinnen und Besucher am frühen Abend den Raum betreten. „Coronakonform – mit genügend Abstand“, meint auch Detlef Träbert als geladener Experte und Referent dieses Abends. Zudem passe diese Sitzordnung hervorragend zum Thema der Veranstaltung, denn es sollte um das Thema „Konzentration“ gehen und die Frage, wie man Ablenkung und Störungen beim Lernen vermeiden könne.

Schuleiter Meinolf Dörhoff zeigte sich bei der Begrüßung froh, nach längerer Pause endlich wieder zu einem Vortragabend die Gäste in der Aula willkommen zu heißen. Als verantwortliche Lehrerin des bischöflichen Gymnasiums dankte er Kirsten Bröcker-Kopp fürdie Organisation. „Wir dürfen auf die Tipps gespannt sein, die wir schon morgen direkt in der Schule und zu Hause anwenden können“, meinte Ruth Janning als stellvertretende Schulleiterin und übergab so dem Referenten das Wort.
„Thorsten, leg den Stift hin. Du sollst zuhören, nicht malen.“ Träbert knüpft direkt an den Erfahrungen aller Zuhörer an. Wer kennt Ermahnungen wie diese nicht? Ganz in Gedanken tut man etwas, während man ein intensives Telefonat oder Gespräch führt. „Wer sagt eigentlich“, so Träbert, „dass das Malen und Kritzeln während des Nachdenkens schade? Stört nicht vielmehr die Unterbrechung durch Ermahnung den Prozess des Nachdenkens?“ Durch das praktische Tun löse sich eine motorische Anspannung. Schnell wird klar, dass der Referent mit einigen verbreiteten Annahmen aufräumen möchte. Neben der „unwillkürlichen“, passiven Aufmerksamkeit sei im Raum Schule die „willkürliche“, bewusste, zielgerichtete Aufmerksamkeit von besonderer Bedeutung.
Es gehe laut Definition hier um die „Konzentration auf einen begrenzten Bereich der Umwelt unter Ausschaltung äußerer und innerer Störfaktoren“. Der Begriff der Konzentration stehe für die Dauer der willkürlichen Bündelung der Aufmerksamkeit. Eine Konzentrationsschwäche könne angeboren oder auch anlagebedingt sein (z.B. ADS, ADHS) und sei begrenzt heil- oder therapierbar. Die Konzentrationsstörung hingegen stehe eher für eine partielle, zeit- und teilweise Beeinträchtigung des Kindes oder Jugendlichen. Diese Störung könne von der Tageszeit, der Befindlichkeit oder auch Motivation des Lernenden abhängig sein. Nachdenklich stimmte der kritische Einwand des Referenten, als dieser anmerkte, dass die fehlende Konzentration auch anerzogen sein könne: „Immer ist jemand da, der Abhilfe schafft.“ Der zu beobachtende Trend der Überbehütung führe dazu, dass die Kinder von Helikoptereltern keine Widerstände mehr erlebten und nicht erfahren könnten, was Anstrengung bedeute, Konzentration bewirke.
Die im Anschluss angeführte Liste möglicher Ursachen gestörter Konzentration ist lang: die Lebensumstände, die Erziehung und der Umgang mit dem Fehler, physiologische oder Umweltbelastungen, Formen der Reizüberflutung auf der einen Seite, Reizmangel für die „Nahsinne“ auf der anderen Seite. „Die Pubertät“, so hob Träbert hervor, sei allerdings der „Konzentrationskiller par excellence“. Das sei insbesondere in Klasse 7 und 8 zu spüren. Ebenso sei Alltagshektik und die Wirksamkeit der Medien sehr schädlich, um die Konzentration zu steigern. Die Liste schloss der Referent, indem er auf die emotionalen Störfaktoren der Überforderung und Angst einging: „Hektik ist ein Feind der Konzentration!“ und „Bei Überforderung und Angst ist Konzentration immer ein Problem“, mahnte Träbert eindringlich.

Nach dem fachkundigen Info-Block war es nun an der Zeit für eine Pause. Anspannung und Entspannung sollten auch in der Aula an diesem Abend immer wieder wechseln. Die Leistungsfähigkeit brauche den stetigen Wechsel. Die Gruppe stand zu einer Bewegungspause auf. Winken, sich räkeln und schütteln tat allen Beteiligten gut. Der Hampelmann brachte den Kreislauf wieder so richtig in Schwung. Es wurde geschmunzelt und gelacht. So machte Lernen Spaß! Optimal sei – nach einer Studie von Wolfgang Endres – eine einminütige Pause nach 4 Minuten Anstrengung. Weitere praktische Bewegungspausen wurden erprobt: Träberts „Geheimwaffe“ der Händefalt-Übung oder auch Kraftübungen auf dem Stuhl gefielen dem Plenum. Der Wochenplan, der freie Zeiten aufzeige, sei eine weitere Möglichkeit, die Konzentration zu fördern. Dabei solle aber unter allen Umständen eine Stunde am Tag den Kindern zur freien Verfügung stehen, damit Raum für Entspannung und Selbstbestimmung bliebe. Träbert ging auf die Bedeutung von Ritualen in Lernsituationen ein und gab viele praktische Tipps zum richtigen Arbeitsplatz des Kindes, Hinweise zum dynamischen Sitzen, der richtigen Ernährung und der Bedeutung des Trinkens von Wasser.
Nach einem informativen und unterhaltsamen Vortrag schloss der Buchautor und Pädagoge mit seinem Schlussgedanken. Er appellierte: „Lassen Sie Ihr Kind auch selbst herausfinden, wie es sich konzentrieren kann“ und machte so den Zuhörern Mut, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen bei der Gestaltung des individuellen Lernprozesses stärker zu erfragen und zu berücksichtigen.
Zum Thema „Motivation“ wird Herr Träbert in Kürze erneut das AJG besuchen. Unter dem Titel „Mehr Freude am Lernen – Leistungsmotivation stärken“ laden wir am 24.10.2022  zu 19:00 Uhr alle Eltern und Interessenten herzlich ein.

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2022-09-27T11:01:41+02:00
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